Ulrich Gering (z.T. mit Martin Crantz und Michael Friburger bzw. mit Guillaume Maynial) (Paris, Offizin 2)

1473-1484

Beschreibung

Die zweite Werkstatt der Druckergemeinschaft Gering, Crantz und Friburger, wurde im Anschluss an die "Sorbonne-Werkstatt" (Ulrich Gering, Martin Crantz und Michael Friburger (Paris, Offizin 1)) ab 1473 in der Rue Saint-Jacques im Haus "Le soleil d'or" betrieben. Dabei wurde das Druckmaterial erneuert, Type 1:116R wurde ab diesem Zeitpunkt offenbar nicht mehr verwendet, sondern durch Type 2:91G und Type 3:115G ersetzt.
Der letzte datierte und durch die Druckergemeinschaft firmierte Druck ist offenbar M17660 (1.VI.1477), ab 1478 firmiert Gering alleine (GW11735) bzw. 1479/80 in insgesamt sechs Drucken gemeinsam mit Guillaume Maynial. Dabei wurde wiederum das Druckmaterial ersetzt (Type 4:80R, Type 5:100R). 1484 verlegte Gering seine Werkstatt in die Rue de Sorbonne, behielt dabei aber das Hauszeichen "soleil d'or". Nach der Kooperation mit Maynial erscheint Gerings Name bis in die frühen 1490er Jahre nur unregelmäßig in Drucken.
Zwischen 1489 und 1492 druckte Georg Wolff (Paris, Offizin 23) in Gerings Haus und mit dessen Typenmaterial (vgl. BMC VIII, S. 143), so dass eine Zuweisung der Drucke aus dieser Zeit nur mit Vorbehalt möglich ist. Ab 1494 firmiert Gering nicht mehr alleine, sondern stets gemeinsam mit Berthold Remboldt.
Der BMC rechnet die ab 1478 von Gering alleine oder gemeinsam mit Maynial hergestellten Drucke zu Ulrich Gering und Berthold Remboldt (Paris, Offizin 38), während Haebler dort lediglich die ab 1494 gemeinsam mit Remboldt produzierten Drucke verzeichnet. Der BMC gliedert Gerings Tätigkeit damit in zwei Offizinen:
  1. 1471-1477: Gering, Crantz, Friburger in der Sorbonne-Werkstatt und im Haus "Le soleil d'or",
  2. ab 1478-nach 1500: Gering allein, Gering und Maynial, Gering und Remboldt.
Bei Haebler sind dagegen drei Werkstätten mit anderer zeitlicher Gliederung angesetzt:
  1. 1471-1473: Gering, Crantz, Friburger in der Sorbonne,
  2. 1474-1493: Gering, Crantz, Friburger im Haus "Le soleil d'or", Gering allein, Gering mit Maynial,
  3. 1494-nach 1500: Gering und Remboldt.
Das ab 1478 benutzte Typenmaterial Gerings (Type 4:80R, Type 5:100R) erscheint z.T. auch ab 1494 in den Drucken mit Remboldt.

Typen

Type M/Qu Nutzungszeit Beschreibung
2:91G   M13C, als Nebenform auch M82 1472-1477 A gotisch
C (rund), D, E, G, O, T mit Schnörkel
H2, I1, L1 (mit Öhr), N1, R2 mit einem Dorn, P2 mit mehreren Dornen
daneben P1 leer
Q zweimal offen
U rund mit Sehne
zur Nebenform s. GfT 765
3:115G   M2 oder Qu|-K3 1473-1477 M breit
A Kopfriegel rechts, schräg
V schief
Mischtype: Antiqua-Majuskeln, gotische Minuskeln, daher uneinheitlich als 115R oder 115G bezeichnet
Im GW uneinheitlich, also beim nächsten Fall zu entscheiden
115R
(GW 4855 = ISTC ib00983000)
Haebler: Typenrepertorium Abt. II, Dr. Ausl., S. 275, Nr. 2: hs.: 115G
(GW 4225 = ISTC ib00550000, GW 7086 = ISTC ic00717000, GW 9083 = ISTC id00376000, GW 9108 = ISTC id00409000)
Haebler: Typenrepertorium Abt. III, Tab., 2. got. Typen, S. 4/5, Nr.7: s. Qu| 115
4:80R   Q|u-B, auch Qu|-G 1478-1498 1479: Qu|-G eng
1484: bei beiden Qu-Formen das Q und das u leicht auseinanderstehend
vgl. Type 1:80R bei Johann Higman und Wolfgang Hopyl (Paris, Offizin 21)
Haebler: Typenrepertorium Abt. III, Tab., 1. Antiqua-Typen, S. 140/141, Nr.10
5:100R   Qu|-G, auch Q|u-B 1478-1495 Haebler: Typenrepertorium Abt. III, Tab., 1. Antiqua-Typen, S. 148/149, Nr.60

Rubrikzeichen

Rubr. Form Nutzungszeit Beschreibung
α besondere Form 1498-1499 tief, zu Type 4, vielleicht erst mit Remboldt (= Paris 38: Ulrich Gering und Berthold Remboldt )

Alternative Namen

Ulrich Gering, Martin Crantz und Michael Friburger; Ulrich Gering und Guillaume Maynial; Ulrich Gering

Personen, die mit dieser Offizin in Verbindung stehen

Maynial, Guillaume; Gering, Ulrich; Friburger, Michael; Crantz, Martin

Literatur

  • BMC VIII, S. xix-xx, 20-31
  • Claudin I, S. 3-117.