Mohnkopfdrucker (Hans van Ghetelen) (Lübeck, Offizin 3*)

1487-1520

Beschreibung

Die nach ihrem Signet mit drei Mohnköpfen benannte "Mohnkopfdruckerei" wurde in der älteren Forschungsliteratur Matthäus Brandis zuscheschrieben (vgl. Matthäus Brandis (Lübeck, Offizin 3)). Inzwischen wird die Offizin Hans van Ghetlen zugesprochen, der sich im im Akrostichon der Schlussverse in den niederdeutschen Plenarien von 1488 (M34208) und 1492 (M34220) nennt (vgl. Abb. im Ex. Berlin SB).
Die 1487-1493 erschienenen Drucke wurden mit Material von Matthäus Brandis (Lübeck, Offizin 3) und Lukas Brandis (Lübeck, Offizin 1) ausgeführt (Matthäus-Brandis-Gruppe, Typen 1-5). Es ist nicht geklärt, ob Hans van Ghetelen in dieser ausschließlich als Verleger und Geldgeber tätig war, oder ob er die Offizin gemeinschaftlich mit Matthäus und Lukas Brandis führte. Ab 1495 erscheinen Drucke mit Typen des Steffen Arndes (Lübeck, Offizin 4) (Stephen-Arndes-Gruppe, Typen 6 u. 8) und die so genannte "Narrenschyp-Gruppe" (Type 7 u. 8).

Typen

Type M/Qu Nutzungszeit Beschreibung
1:98G M49 1487-1493 Nach Altmann: Brandis S. 60, Anm. 422 identisch mit Type 2:98G bei Matthäus Brandis (Lübeck, Offizin 3)
2:88G [M49(?)] 1487-1487 Nur Min.
Nach Altmann: Brandis S. 60, Anm. 422 eine Vorform von Type 10:81/82G bei Lukas Brandis (Lübeck, Offizin 1)
2*:292G (M62) 1488-1488 Kanon- und Titeltype
Nach Altmann: Brandis S. 60, Anm. 422 identisch mit Type 7:292G bei Matthäus Brandis (Lübeck, Offizin 3)
3:150G M63 1488-1492 Nach Altmann: Brandis S. 60, Anm. 422 identisch mit Type 10:150G bei Matthäus Brandis (Lübeck, Offizin 3)
4:150G M61 1488-1489 Nach Altmann: Brandis S. 60, Anm. 422 identisch mit Type 4:147G bei Lukas Brandis (Lübeck, Offizin 1)
4*:160G M66 1488-1493 Größere Missaltype
Nach Altmann: Brandis S. 60, Anm. 422 identisch mit Type 5:160G bei Lukas Brandis (Lübeck, Offizin 1)
5:80G M70 1488-1492 h rund
Nach Altmann: Brandis S. 60, Anm. 422 identisch mit Type 3:80G bei Matthäus Brandis (Lübeck, Offizin 3)
5*:80G M70 Variante von Type 5:80G
h geschwänzt
Beim U die Querstriche weggefeilt
Lt. Altmann: Brandis S. 60, Anm. 422 erscheinen Teile der Majuskeln (z.B. das U) später in Type 10:81/82G bei Lukas Brandis (Lübeck, Offizin 1), die aber insgesamt deutlich abweicht
6:92G M44 1496-1497 Vgl. Type 5:92G bei Steffen Arndes (Lübeck, Offizin 4)
7:120G M70 1497-1498 Lt. Altmann: Brandis S. 61, Anm. 433 Texttype der "Narrenschyp-Gruppe"
8:220G M64 1496-1498
9:ca.180G 1497-1497 Nur als Titeltype in GW12267
Evtl. erst 16. Jh.
Möglicherweise keine Type, sondern xylographisch

Rubrikzeichen

Rubr. Form Nutzungszeit Beschreibung
α normale Form 1487-1492 dick, Sp. kaum mittel
Type 1:98G
β normale Form 1489-1496 dick, weiß breit, Sp. kurz
Type 5:80G
γ besondere Form 1497-1498 @150, hängend
Type 7:120G
δ besondere Form 1490-1496 zu Type 6:92G

Initialen

Initiale Höhe Nutzungszeit Beschreibung
a 23mm 1487-1496 weiß auf schwarz
Gerank
b 15mm 1487-1496 weiß auf schwarz
Gerank
c 36mm 1488-1498 schwarz auf weiß
gemustert
Muster
d 22mm 1488-1498 schwarz auf weiß
gemustert
(bei Haebler fälschlich f)
e 265mm 1489-1497 Titelleiste, schwarz auf weiß
zusammengesetzt
unten Schild und wilde Männer
f 14mm 1487-1497 Kontur-Lombarden
g 33mm 1496-1497 weiß auf schwarz
Gerank
h 50mm 1487-1498 weiß auf schwarz
Gerank
i 18mm 1493-1493 schwarz auf weiß
gemustert
[bei Hae fälschlich d=i]
k 43mm 1488-1498 schwarz auf weiß
gemustert
l 12mm 1493-1496 volle Lombarden mit Perlen
z.T. gemustert
m 8mm 1489-1492 volle Lombarden
n 3mm 1489-1490 volle Lombarden
o 14mm 1498-1498 schwarz auf weiß
p 20mm Lombarden mit Perlen
q 28mm 1487-1496 Choral-Lombarden
r 10mm 1498-1498 Lombarden mit und ohne Perlen
s 16mm Lombarden ohne Perlen
t 243mm 1496-1496 Leisten
oben und unten leeres Schild
u 229mm 1496-1496 Leisten mit Druckerzeichen
v 85mm 1496-1496 Leisten
ein leeres Spruchband
c* 40mm 1488-1488 schwarz auf weiß
gemustert
z.T. Muster

Drucker- u. Verlegermarken

DrM Höhe Nutzungszeit Beschreibung
I 1488-1490 zwei ganz kleine Schilde
II 1489-1492 Plenarium 1492 (H 6752)
III 1496-1498
IV 1489-1489
V 1489-1490 ähnlich IV, aber der rechte Mohnkopf berührt den Rahmen, im rechten Wappen weiß über dem T schmaler, ohne Stern
VI 1488-1489 zwei Schilde, links mit Doppeladler, rechts mit doppeltem Rand und drei waagerechten Strichen im Innern

Personen, die mit dieser Offizin in Verbindung stehen

Ghetelen, Hans van; Brandis, Matthäus

Literatur