Drucker von Currus, Oratio (GW 7858) (Olivinus von Brügge?) (Messina, Offizin 6)

1498-1500

Beschreibung

Das Druckmaterial von Johann Schade und Rigo Forti (Messina, Offizin 2*) bzw. Johann Schade (Messina, Offizin 5) erscheint in zwei unfirmierten Drucken, von denen einer aufgrund inhaltlicher Merkmale nicht vor 1498 (GW07858) zu datieren ist und der andere das Jahr 1500 als Druckdatum nennt (M39228). Diese Datierungen liegen deutlich nach dem Zeitraum, für die Schades Offizin belegt ist. Zudem weist die Texttype markante Abweichungen auf (kein Rubrum, Einsprengungen aus einer gebrochenen Type) und Teile der Initialen waren nach Schades Drucken auch in anderen Offizinen in Messina in Gebrauch (Andreas von Brügge (Messina, Offizin 3), Wilhelm Schomberger (Messina, Offizin 4)). Daher ist für GW07858 und M39228 hier eine selbständige, anonyme Offizin angesetzt.
Der anonyme Drucker kann möglicherweise mit dem nur archivalisch in Messina belegten Olivinus von Brügge identifiziert werden (vgl. BMC VII S. lxxiii). Olivinus war der Sohn von Andreas von Brügge (Messina, Offizin 3) und ist im frühen 16. Jahrhundert in Palermo als Drucker nachweisbar (vgl. EDIT 16 CNCT 3552). Am 10.III.1499 (d.i. 1500, da Indiktion 3) bestätigte er die Bezahlung von insgesamt 132.800 (nicht mehr erhaltenen!) Ablassbriefen und ähnlichen Dokumenten für den Bischof von Cefalù (Abdruck der Quelle bei di Marzo). Dabei wird er als der einzige Drucker im Königreich Sizilien bezeichnet. Weiterhin wird erwähnt, die Drucke seien in zwei verschiedenen Typen gedruckt. Möglicherweise gelangte das Druckmaterial Schades zunächst (spätestens 1497) in Besitz des Andreas von Brügge (Messina, Offizin 3) und wurde ab ca. 1498 von Olivinus weiterverwendet.
Im Anschluss an den BMC verzeichnen neuere Bibliographien M39228 als Druck des Olivinus (z.B. ISTC, Bianca), während GW07858 in der Regel noch Johann Schade zugewiesen wird.

Typen

Type M/Qu Nutzungszeit Beschreibung
1:97R Qu|-I 1498-1500 Wie Type 1:96/97R bei Johann Schade (Messina, Offizin 5)
Einsprengungen J und P aus einer gebrochenen Type wie Type 1:95G bei Georg Ricker (Messina, Offizin 5*), sowie Q und (selten) D aus Type 2:100G
Im Unterschied zu Type 1:96/97R bei Johann Schade und Rigo Forti (Messina, Offizin 2*) und Type 1:96/97R bei Johann Schade (Messina, Offizin 5) kein Rubrum
2:100G M40 1500-1500 Weiterverwendung von Type 2:100G bei Johann Schade und Rigo Forti (Messina, Offizin 2*)
Bei Haebler: Typenrepertorium Abt. V, Erg. II, S. 85 als Type 3 der Offizin Johann Schade (Messina, Offizin 5) gezählt

Initialen

Initiale Höhe Nutzungszeit Beschreibung
a 8/10mm 1498-1500 Lombarden
Möglicherweise zwei Reihen (8mm und 10mm)
Vgl. Initiale f bei Johann Schade (Messina, Offizin 5)
b 17/19mm 1498-1500 Weiß auf schwarz
Blattwerk
Vgl. Initiale b bei Johann Schade und Rigo Forti (Messina, Offizin 2*)
Vgl. Initiale b bei Wilhelm Schomberger (Messina, Offizin 4)
Vgl. Initiale e bei Johann Schade (Messina, Offizin 5)
c 5mm 1500-1500 Kleine Lombarden
d 9mm 1500-1500 Weiß auf schwarz
Blattwerk

Personen, die mit dieser Offizin in Verbindung stehen

Schade, Johann

Literatur

  • BMC VII S. lxxiii
  • Di Marzo, Gioacchino: Di Olivino e Lorenzo die Bruges, stampatori in Sicilia nella fine del secolo XV ed il sorgere del XVI. In Archivio Storico Siciliano. NS 4(1879) S. 337-342.
  • Oliva, Gaetano: L'arte della stampa in Sicilia neu secoli XV e XVI. In: Archivio storico per la Sicilia Orientale 8(1911) S. 83-131, 359-407.
  • Bianca, Concetta: Stampa, cultura e società a Messina alla fine del Quattrocento. Palermo 1988 Nr 23.
  • D’Angelo, Franco: Aspetti economici dei primordi della tipografia in Sicilia. In: Economia e storia 14(1967) S. 457–484.