Heinrich Knoblochtzer (Heidelberg, Offizin 3)

1487-1495

Beschreibung

Der letzte firmierte Druck aus Knoblochtzers Straßburger Offizin (Heinrich Knoblochtzer (Straßburg, Offizin 8)) stammt aus dem Jahr 1484 (M47734). Der erste firmierte Druck Knoblochtzers in Heidelberg datiert auf den 18.XII.1489 (GW11597). Allerdings wurde Knoblochtzer am 9.IV.1486 an der Universität Heidelberg immatrikuliert.
Der BMC vermutet, dass die auf 1488/89 datierbaren Drucke des anonymen "Druckers des Lindelbach" aus Knoblochtzers Offizin stammen und möglicherweise als Auftragsdrucke für Jakob Köbel (Heidelberg, Offizin ) hergestellt wurden. Voulliéme (Voulliéme: Buchdrucker S. 73) nimmt zudem an, dass ihm auch die auf 1485/86 datierten Drucke des Lindelbach-Druckers zuzusprechen sind. Er hätte damit zeitnah nach seinem Fortgang von Straßburg die Heidelberger Offizin eingerichtet (vgl. Drucker des Lindelbach (Heinrich Knoblochtzer) (Heidelberg, Offizin 1)).
Knoblochtzer übernahm Teile des Druckmaterials (Initialen, Zierleisten) von Johann Zainer d.Ä. (Ulm, Offizin 1), dessen Offizin sich ab 1483 in finanziellen Schwierigkeiten befand. Durch die Verwendung des Ulmer Materials in Heidelberg sind in der älteren Literatur mehrere Drucke Knoblochtzers fälschlicherweise Zainer in Ulm zugeschrieben (vgl. dazu Amelung; Voulliéme: Bibliographie Knoblochtzers). Nach Voulliéme gehören dazu auch alle dem Drucker des Vocabularius (C 6377) (Ulm?, Heidelberg?, Offizin 8) zugeschriebenen Drucke.
Die Beziehung zu Peter Attendorn (Straßburg, Offizin 17*), dessen Texttype Type 2:93/94G offenbar nicht sicher von Type 8*:93G zu unterscheiden ist, ist noch zu klären.
Die letzten datierten und firmierten Drucke Knoblochtzers stammen aus dem Jahr 1495 (M4978110, datiert 1495; M14225, datiert 29.VI.1495). Ob die späteren Drucke, die Knoblochtzer zugeschrieben werden, aus seiner Offizin oder von mit seinem Material druckenden Nachfolger stammen, ist umstritten. Allerdings wird Knoblochtzer noch 1498 im Rechnungsbuch des Peter Drach d.Ä. (Speyer, Offizin 3) erwähnt (vgl. Geldner: Rechnungsbuch, Sp. 139; Sack: Seligmann S. 122; Mäkeler: Drach S. 54). Aus dem Eintrag wird ersichtlich, dass M4978110 im Auftrag von Drach und z.T. mit dessen Typenmaterial gedruckt wurde.
Teile des von Johann Zainer übernommenen Initialmaterials sowie die Holzschnitte zu Lichtenbergers Prognostikation und zum Totentanz finden sich ab 1492 im Besitz von Jakob Meydenbach (Mainz, Offizin 8).

Typen

Type M/Qu Nutzungszeit Beschreibung
5:180G M60 1486-1491 J mit nur einer Feder (Haebler Gruppe A)
Halbiertes als R (wie Type 1:180G bei Konrad Hist (Speyer, Offizin 5)!)
h rund
Beim M der mittlere Schaft rechts mit dünner Sehne verdoppelt
Z.T. eingesprengt ein ungelenkes p und ein aus einer Antiquatype stammendes c
Vgl. Type 1:180G bei Drucker des Lindelbach (Heinrich Knoblochtzer) (Heidelberg, Offizin 1)
Vgl. Type 1:180G bei Drucker des Vocabularius (C 6377) (Ulm?, Heidelberg?, Offizin 8)
Vgl. Type 1:180G bei Johann Grüninger (Straßburg, Offizin 12)
5*:160G M60 1488-1489 Im Unterschied zu Type 5:180G h mit Ringelschwanz, i, r und t an Kopf und Fuß eckiger
Beim M der mittlere Schaft einfach
In Handexemplar GW von Haebler: Typenrepertorium Abt. I, Dr. Dt., S. 48, Nr. 3 handschriftliche Anm.: "kleineres Bild"
6:80G M47 1489-1497
6bis:80G M47 Unterschied von 6:80G anscheinend nur einige eingesprengte, z.T. sichtbar größere Buchstaben
vgl. BMC III 669
Type 6:80G
Type 8:80G bei Heinrich Gran (Hagenau, Offizin 1)
Type 13:80G bei Peter Drach d.Ä. (Speyer, Offizin 3)
7:150G M99 1493-1495 Textura
8*:93G M44 1486-1492 L rund (gefiedert)
In lateinischen Texten häufig ü für u
Grundform geht zurück auf Type 5:93G bei Johann Grüninger (Straßburg, Offizin 12)
Lt. Voulliéme sind die Einsprengungen kaum zu unterscheiden von Type 2:93/94G bei Peter Attendorn (Straßburg, Offizin 17*)
8:94G M44 1493-1500 L gefiedert
Sackiges D mit langer Basis
Ab 1493 als Ersatz für Type 8*:93G
Die Datierungen nach 1495 sind nicht gesichert
Grundform wie Type 7:93G bei Konrad Hist (Speyer, Offizin 5)
Nach Sack: Freiburg: im Gutenberg-Jahrbuch 1968, S. 122: ab 1510 bei Jakob Stadelberger; vgl. VD16 V 1316, B 56. S 2564
9:52G 1495-1495 Zu streichen?
Vgl. Type 12:94G
Interlineartype
h mit Ringelschwanz
Größe geschätzt
Vgl. Type 4:52G bei Johann Grüninger (Straßburg, Offizin 12)
Vgl. Type 6:52G bei Friedrich Misch (Heidelberg, Offizin 2)
10:76R Q|u-BE 1501-1513 Zu streichen?
Bisherige Nachweise im GW sind vielmehr Jakob Stadelberger (Heidelberg, 1501-1516) zuzuschreiben
11:65G M47 1495-1495 Vgl. Type 3:65G bei Heinrich Seligmann (Heidelberg, Offizin )
12:94G M44 Zu streichen?
Vgl. Type 9:52G
L mit Schnörkel
Sackiges D mit kurzer Basis
Möglicherweise = Type 12:93G bei Johann Prüss (Straßburg, Offizin 14) oder Type 5*:93G bei Johann Grüninger (Straßburg, Offizin 12)
13:83G M21 Auch verzeichnet als Type 4:80G bei Drucker des Lindelbach (Heinrich Knoblochtzer) (Heidelberg, Offizin 1)
Nicht sicher zu unterscheiden von Type 2:85G bei Heinrich Gran (Hagenau, Offizin 1) (vgl. CIBN C-241 Anm.; BMC III 681)
14:77G M99 Auch verzeichnet als Type 5:77G bei Drucker des Lindelbach (Heinrich Knoblochtzer) (Heidelberg, Offizin 1)
Nicht sicher zu unterscheiden von Type 3:76G bei Heinrich Gran (Hagenau, Offizin 1) (vgl. CIBN C-241 Anm.; BMC III 681)
15:116G M94 Auch verzeichnet als Type 4:116G bei Drucker des Vocabularius (C 6377) (Ulm?, Heidelberg?, Offizin 8)
Wie Type 2:130G bei Friedrich Misch (Heidelberg, Offizin 2)
Nicht übereinstimmend mit Type 6:116G bei Drucker des Lindelbach (Heinrich Knoblochtzer) (Heidelberg, Offizin 1)
16:135G M29 1500-1500 Zu streichen!
Ist vielmehr Type 2:135G bei Heinrich Seligmann (Heidelberg, Offizin ) (vgl. Sack)
Wie Type 9:168G bei Melchior Lotter (Leipzig, Offizin 9)
17:90G M81 1500-1500 Zu streichen!
Ist vielmehr Type 1:88/89G bei Heinrich Seligmann (Heidelberg, Offizin )
Wie Type 4:88G bei Melchior Lotter (Leipzig, Offizin 9)
18:95G M91 1498-1498 Auch verzeichnet als Type 2:95G bei Drucker des Vocabularius (C 6377) (Ulm?, Heidelberg?, Offizin 8)
Vgl. Type 5:96G bei Friedrich Misch (Heidelberg, Offizin 2)
19:83G M49 Auch verzeichnet als Type 3:83G bei Drucker des Vocabularius (C 6377) (Ulm?, Heidelberg?, Offizin 8)

Rubrikzeichen

Rubr. Form Nutzungszeit Beschreibung
α besondere Form 1490-1491 zu Type 8:94G und Type 10:76R

Initialen

Initiale Höhe Nutzungszeit Beschreibung
a 45mm 1489-1493 verzierte Kontur-Buchstaben
ohne Umrandung
b 37mm 1489-1495 schwarz auf weiß
Kontur-Buchstaben auf (weiß auf schwarz) gemustertem Grund
(auch "Maiglöckchen-Muster")
c 30/40mm 1494-1498 kalligr. verschnörkelte Buchst
d 39mm 1486-1493 schwarz auf weiß
Figur
Initial-D mit Kalenderbildern in der Mitte und Strahlen in den Ecken
hs.: auch mit Bildern, verschieden behandelt
e 15mm 1494-1495 volle, verzierte Lombarden mit Perlen
f 6mm 1493-1494 volle Lombarden ohne Perlen
g 8mm 1491-1492 volle Lombarden mit Perlen
hs.: 16. Jh.?
h 13mm 1494-1494 volle Lombarden mit Perlen
hs.: 16. Jh.?
i 55mm 1488-1488 ca. 55 mm
schwarz auf weiß
gemustert
Ohne Umrandung
Ist = Initiale a bei Johann Zainer d.Ä. (Ulm, Offizin 1)
1492 in Mainz als Initiale d bei Jakob Meydenbach (Mainz, Offizin 8)
k 35/45mm Kontur-Lombarden, z.T. verziert
hs.: (Totentanz)
l 25mm 1488-1488 volle Lombarden ohne Perlen (Totentanz)
Nach 1492 in Mainz als Initiale e bei Jakob Meydenbach (Mainz, Offizin 8)
m 55mm verzierte Kontur-Lombarden
n 37mm 1488-1491 schwarz auf weiß
lombardartige Konturbuchstaben mit Figur
Vgl. Initiale u bei Johann Zainer d.Ä. (Ulm, Offizin 1)
o 13mm 1494-1494 volle Lombarden
im Corpus gemustert
p 13/18mm 1488-1488 xylogr. Buchstaben
lombardähnlich
(I = 18 mm, W = 13 mm)
(Formulari 1488)
q 22mm xyogr., kalligr. Buchstaben
GW M31338 = C 4698 = ISTC ip00340000
r 110mm xylogr. Buchstaben
verziert
(ist gleich Initiale c bei Drucker des Lindelbach (Heinrich Knoblochtzer) (Heidelberg, Offizin 1)?)
s 1486-1486 (D) in den vier Ecken die Evangelisten
oben Engel und Adler
weiß auf schwarz
GW 139920 = ISTC ia00508000
t 46mm 1489-1493 ohne Rand
Doppellinien
z.T. auch breite, senkrecht schraffierte Schäfte
von Ranken mit dichtem gerollten Laub umgeben
Ist = Initiale b bei Johann Zainer d.Ä. (Ulm, Offizin 1)
(?) Virdung: Almanach für 1498, hat dieselben Leisten wie Ulm, Zainer

Drucker- u. Verlegermarken

DrM Höhe Nutzungszeit Beschreibung
I 50mm Schild im Kranz, darin ornamentaler Zweig mit Schleiereule, ist vielmehr VM des Jakob Köbel, vgl. Geldner I 267

Titelholzschnitte

TH Höhe Nutzungszeit Beschreibung
A 121mm Schulszene
GW 9401 = ISTC ie00108520

Personen, die mit dieser Offizin in Verbindung stehen

Knoblochtzer, Heinrich

Literatur