Drucker des Jordanus von Quedlinburg (Straßburg, Offizin 15)

1481-1504

Beschreibung

Der Drucker des Jordanus von Quedlinburg wird z.T. mit Georg Husner (Straßburg, Offizin 20) bzw. dem Drucker der Casus breves (Georg Husner) (Straßburg, Offizin 19) identifiziert (vgl. Voulliéme, Ernst: Zur ältesten Buchdruckergeschichte Straßburgs). Die Identifikation beruht auf mehreren Drucken, in denen einzelne Lagen mit Typen Husners bzw. des Casus-Druckers, andere mit Typen des Jordanus-Druckers gesetzt sind (M26316, GW04180, GW11560, VD16 V 1205, VD16 B 2199).
Die Auszeichnungstype Type 1:160G wird gemeinsam mit den Texttypen Type 2:99G bis Type 5:80G und Type 8:71G benutzt. Die Drucke in diesen Typen können sicher der Jordanus-Offizin zugesprochen werden.
Type 7:88G, Type 11:81G und Type 10:145G erscheinen in den Drucken GW02034, M26406, GW12187, M47364 und M26316. Die Zuweisung dieser Typen an den Jordanus-Drucker beruht auf M26316, der zum Teil in Type 10:145G und Type 11:81G gesetzt ist (Bd. 1, Lagen K-S; X-Z; Bd.2, Lagen h-k; m), z.T. in Type 1:160G und Type 4:80G (Bd. 1, Lagen Aa-Cc, a-z; A-E; T-U; Dd-Hh; Bd. 2, Lagen *, a-c; l; n-p).
Allerdings sind weitere Lagen von M26316 in Type 1:80G und Type 2:152G des Drucker der Casus breves (Georg Husner) (Straßburg, Offizin 19) gesetzt (Bd. 1 Lagen F-J; Aa-Cc; Bd. 2, Lagen d-g).
Denkbar ist daher entweder, dass auch der Drucker der Casus breves (Georg Husner) (Straßburg, Offizin 19) bzw. Georg Husner (Straßburg, Offizin 20) mit dem Drucker des Jordanus von Quedlinburg zu idenzifizieren sind, oder dass Type 7:88G, Type 10:145G und Type 11:81G einer weiteren anonymen Werkstatt, die am Druck von M26316 beteiligt war, zuzuweisen sind. Diese hypothetische Werkstatt wird z.T. (BMC, CIBN A-406) als "Drucker des Hemmerlin" bezeichnet und wegen der Übereinstimmung der Typen mit Type 1:81G, Type 6:ca.70G und Type 2:145G des Wilhelm Schaffener (Straßburg, Offizin 25) unter Vorbehalt mit Schaffener identifiziert.

Typen

Type M/Qu Nutzungszeit Beschreibung
1:160G M60 1481-1500 D1
§: P2
2:99G   M99, eingesprengt M100 1482-1483 kleinere Minuskeln als Type 3*:99G
A2 mit Schlange
rund mit Winkelsehne: C,E
D2, H2, O2, P2, U1: //
F2, I2, L2 gefiedert
G rund
T rund und mit links starkem, rechts schwachem Doppelstrich
Q mit senkr. Sehne und waagerechtem Doppelstrich
Z.T. eingesprengte Majuskeln aus Type 3*:99G: A m. Punkt, C u. E gebrochen, G2//, H2, O2 u. P2 m. gebrochener Sehne, eckiges T, U1 mit Schnörkel, u.a.
ausschließlich in undatierten Drucken ohne Ortsangabe nachgewiesen (z.B. GW03186), dort z.T. gemeinsam mit Type 3*:99G (für Überschriften). Die Gruppe ist nach Kauf- und Rubrikationsvermerken ca. 1482/83 zu datiereren
ab 1483 auf kleinerem Kegel m. einigen Veränderungen als Type 2*:91G bzw. Type 2**:91G. Dort gemeinsam mit Type 3:91G
In GfT 847 falsch bezeichnet! Daher im gedruckten GW z.T. Verwechslung mit Type 3:91G
2*:91G   M99, eingesprengt auch M100 1483-1486 späterer Zustand von Type 2:99G auf kleinerem Kegel und mit einigen Veränderungen
kleinere Minuskeln als Type 3:91G
D2 m. gebrochenem Bogen (wie Type 3:91G) statt D2//
teilw. eingesprengt und weitere Majuskeln aus Type 3:91G
groß
ab 1483 verwendet, gemeinsam mit Type 3*:99G als Auszeichnungstype
ab 1486 mit Veränderungen als Type 2**:91G
2**:91G   M99, eingesprengt auch M100 1486-1499 späterer Zustand von Type 2*:91G
kleinere Minuskeln als Type 3:91G
Zahlreiche der für Type 2*:91G charakteristischen Doppelformen der Majuskeln reduziert zu Gunsten der ursprünglich aus Type 3:91G Formen (z.B. A m. Punkt)
im Gegensatz zu Type 2*:91G keine gefiederten Majuskeln: F2 rund, J mit Schnörkel, L2
nur noch G2// und T eckig
nur noch selten eingesprengt
groß
ab 1486 verwendet, gemeinsam mit Type 3:91G (für Überschriften). Der Majuskelbestand beider Typen ist in diesem Zustand nicht mehr zu unterscheiden, daher ist eine Differenzierung ausschließlich anhand der Minuskeln möglich
Bei Haebler und BMC nicht als eigene Type verzeichnet
3:91G   M100, auch M99 1483-1493 große Minuskeln
späteres Stadium von Type 3*:99G
ab 1483 gemeinsam mit Type 2*:91G verwendet
mit Punkt: A2, H2, N2, O2, P2
§: C, E
D2 leer, gebrochen
Q mit senkr. Sehne und waagerechtem Doppelstrich
U m. Schnörkel
klein
Vereinzelt Einspengungen aus Type 2*:91G, z.B. A m. Schlange und
In GfT 847 falsch bezeichnet! Daher im gedruckten GW z.T. Verwechslung mit Type 2:99G
Durch die größeren Minuskeln wirkt die Type größer als 91mm!
1483-1490 mit Type 2*:91G
Ab Ende 1490 nicht mehr gemeinsam mit Type 2*:91G belegt, sondern ausschließlich mit Type 5:80G
3*:99G   M100, eingesprengt auch M99 1483-1483 Minuskeln größer als bei Type 2:99G
früher Zustand von Type 3:91G auf größerem Kegel
ausschließlich in undatierten Drucken ohne Ortsangabe nachgewiesen (z.B. GW09125)
Majuskeln wie Type 3:91G
A m. Punkt
D2 gebrochen
selten Einsprengungen aus Type 2:99G, z.B. A m. Schlange und
abweichend von Type 3:91G m. größerem (wie Type 2:99G)
In GfT 847 fälschlicherweise als Type 2 bezeichnet, im gedruckten GW daher z.T. Verwechselung mir Type 3:91G
4:80G M47 1491-1500 U //
mit Punkt: A1,N1
L gefiedert
sonst kahl
Type in mehreren Zuständen, z.T. vermischt mit Type 5:80G
1493 ohne Einsprengungen mit schmalem N
1494-1496 mit Einsprengungen aus Type 5:80G (so auch GfT 847)
1498-1501 ohne Einsprengungen mit breitem N
1502-1503 mit eingesprengtem rundem E (vgl. VD16 J 142)
vgl. Übersicht über die Entwicklung der Typen 4 und 5
5:80G M47 1488-1496 U leer
Vor Type 4:80G in Gebrauch; evtl. beide Typen als Zustände einer Type zu rechnen
mehrere Zustände:
1488 in reiner Form, nur leeres U
1489-1491 mit neuem C (aus abgefeiltem T)
1494-1496 Einsprengungen der Type (v.a. leeres U) in Type 4:80G
vgl. Übersicht über die Entwicklung der Typen 4 und 5
6:160G M99 1489-1490 Zu streichen!
Lt. Haebler IV, S. 136/137 eingesprengt in Type 1:160G
Type in dieser Form nicht nachgewiesen
7:88G M18 1497-1497 ähnlich Type 20:82G bei Johann Grüninger (Straßburg, Offizin 12) aber auf größerem Kegel
vgl. Type 10:88G bei Georg Husner (Straßburg, Offizin 20)
8:71G M49 1500-1504 B2, selten auch eingesprengt B1
T2
U leer
Nicht identisch mit Type 8:72G bei Georg Husner (Straßburg, Offizin 20) (mit B1, T1, U leer)
Nicht identisch mit Type 21:71G bei Johann Grüninger (Straßburg, Offizin 12) (mit B2, T2, U mit Kringel)
Möglicherweise 16. Jhd.; die im GW verzeichneten Nachweise sind undatiert. Erster datierter Nachweis ist VD16 B 2199, Bd. II, datiert 7.V.1501.
9:152G M60 1499-1500 Ist Type 2:152G bei Drucker der Casus breves (Georg Husner) (Straßburg, Offizin 19) bzw. Type 5:156G bei Georg Husner (Straßburg, Offizin 20)
Sofern der Drucker der Casus breves (Georg Husner) (Straßburg, Offizin 19) als selbständige Offizin gerechnet wird, ist die Type beim Drucker des Jordanus von Quedlinburg (Straßburg, Offizin 15) zu streichen
10:145G M99 1496-1498 U häufig zweigeteilt
T rund, häufig oben mit Kerbe
v zu groß
Ausschließlich mit Type 7:88G und Type 11:81G nachgewiesen, nicht mit weiteren Texttypen des Druckers des Jordanus von Quedlinburg
In M26316 nur einzelne Lagen (T. I, K-S, X-Z; T. II, h-k, m)
Entspricht offenbar der von V. Scholderer in mehreren Straßburger Drucken zw. 1496 und 1500 nachgewiesenen Auszeichnungstype, die starke Ähnlichkeiten mit Type 17:145G bei Johann Grüninger (Straßburg, Offizin 12) aufweist, aber z.B. durch ein unten nach rechts gebogenes r und das geteilte U von ihr zu unterscheiden ist
Möglicherweise aber identisch mit Type 2:145G bei Wilhelm Schaffener (Straßburg, Offizin 25)
Demnach wäre die von Scholderer untersuchte Gruppe nicht Grüninger, sondern entweder dem Drucker des Jordanus von Quedlinburg oder Schaffener zuzuschreiben
Ähnlich auch Type 3:145G bei Hermann Bungart (Köln, Offizin 29)
11:81G M47 1496-1498 Im Gegensatz zu Type 4:80G und Type 4:80G L2
N1 breit m. Punkt
Eingesprengt: C rund, N1 leer, J mit Schnörkel
In M26316 nur einzelne Lagen (T. I, K-S, X-Z; T. II, h-k, m)
Vgl. Type 1:81G bei Wilhelm Schaffener (Straßburg, Offizin 25)
12:156G M99 Zu streichen!
Ist Type 7:156G bei Johann Prüss (Straßburg, Offizin 14)

Initialen

Initiale Höhe Nutzungszeit Beschreibung
a 4/5mm 1485-1495 Lombarden
b 38mm 1482-1482 xylogr. Buchstaben (S), verziert
c 3/4mm 1488-1491 Lombarden

Titelholzschnitte

TH Höhe Nutzungszeit Beschreibung
(?) 1502-1504 kein TitHlzs.
Schulszene, 3 Schüler
(?) 120/123mm Hemmerlin (stehend) von Hornissen umschwirrt
vgl. Hieronymus (4°S 80/126) S. 159

Alternative Namen

Drucker des Jordanus (Georg Husner)

Personen, die mit dieser Offizin in Verbindung stehen

Schaffener, Wilhelm; Drucker des Jordanus von Quedlinburg; Husner, Georg

Literatur

  • Voulliéme, Ernst: Zur ältesten Buchdruckergeschichte Strassburgs. Georg Husner, der Drucker des Jordanus von Quedlinburg. In: ZfB 32 (1915) S. 309-320.
  • Scholderer, Victor: The printer of Jordanus de Quedlinburg, Strasburg, 1481-1502. In: Scholderer, Victor: Fifty essays in fifteenth- and sixteenth-century bibliography. Amsterdam 1966, S. 240-243.