Matthäus Brandis (Lübeck, Offizin 3)

1485-1500

Beschreibung

Matthäus Brandis erhielt seine Ausbildung in der Offizin seines Bruders Markus Brandis (Leipzig, Offizin 1) und ließ sich 1485 in Lübeck nieder. Im Leipzig wirkte er am Druck des Breviarium Misnense mit (GW05390, vgl. Altmann S. 36, 39). Lt. Altmann brachte er Matrizen der Type des Breviarium Misnense (Markus Brandis Type 6:99G) nach Lübeck mit und goss mit ihnen dort seine erste Texttype (Type 2:98G). Weiterhin stammt vermutlich die Auszeichnungstype Type 10:150G aus der Leipziger Offizin des Markus Brandis (vgl. Altmann S. 60 u. S. 53 u. Anm. 374).
1487-1493 war Matthäus gemeinsam mit seinem Bruder Lukas Brandis (Lübeck, Offizin 1) als Teilhaber oder Auftragsdrucker für die Lübecker Mohnkopf-Offizin tätig (vgl. Mohnkopfdrucker (Hans van Ghetelen) (Lübeck, Offizin 3*)).
Brandis erster in Lübeck firmierter Druck ist der niederdeutsche Lucidarius von 1485 (M09355), sein letzter in Lübeck firmierter Druck ist das gemeinsam mit seinem Bruder Lukas Brandis hergestellte Breviarium Othoniense (GW05419). In archivalischen Belegen ist er bis ins 16. Jh. in Lübeck erwähnt (Übersicht bei Altmann S. 39-41).
Der ehemals als anonymer Drucker verzeichnete "Drucker des Alanus" (nach GW00498, so z.B. Haebler: Typenrepertorium Erg. II S. 40 Nr. 7) wird inzwischen aufgrund der verwendeten Auszeichnungstype (Type 4:165G) mit Brandis identifiziert und die Type als späte Variante seiner Texttype angesehen (Type 2*:98G, vgl. Altmann S. 60).
Im 16. Jahrhundert ist Matthäus Brandis 1501-1504 als Drucker in Ribe und 1506-1510 in Kopenhagen nachweisbar.

Typen

Type M/Qu Nutzungszeit Beschreibung
1:160G M66 1485-1485 Zu streichen?
Nach Altmann: Brandis S. 60 u. Anm. 433 identisch mit Type Type 4:147G bei Lukas Brandis (Lübeck, Offizin 1), aber in keinem Druck von Matthäus Brandis nachweisbar
2:98G M49 1485-1491 Wie
Senkrechtes Komma
Lt. Altmann: Brandis S. 60, Anm. 423 gleich Type 1:98G bei Mohnkopfdrucker (Hans van Ghetelen) (Lübeck, Offizin 3*) und dort 1487-1493 benutzt
Lt. Altmann: Brandis S. 36 ein Neuguss auf der Basis von Matrizen von Type 6:99G bei Markus Brandis (Leipzig, Offizin 1)
2*:98G M49 1493-1495 Texttype des so genanntenten "Drucker des Alanus" (nach GW00498), vgl. Altmann: Brandis S. 60 u. Anm. 430
Möglicherweise später Zustand von Type 2:98G bzw. Type 2**:99G
Enthält lt. Altmann Formen aus Type 2**:99G und Type 1:85G bei Markus Brandis (Leipzig, Offizin 1)
Von Type 2:98G bzw. Type 2**:99G zu unterscheiden durch E2, N//, einzelne Bastardaminuskeln (einstöckiges a; b mit Schlaufe), Divis und Rubrum
2**:99G M49 1492-1492 Späterer Zustand von Type 2:98G mit Doppelformen für D, O, I, S
S. Altmann: Brandis Anm. 423
2***:99G M49 1495-1495 Texttype in GW0925450N
Offenbar eine Weiterentwicklung von Type 2*:98G für den Druck volkssprachlicher Texte (verschlaufte Minuskeloberlängen)
D2 leer und D//
E2
N//
a einstöckig
b, d, h mit Schlaufe; d auch ohne Schlaufe
k ohne Schlaufe
o eckig
r mit umgebogenem Fuß
Die eingesprengten Majuskeln stammen möglicherweise aus Type 5:92G
3:80G M70 1489-1491
4:165G M73 1485-1497 Auszeichnungstype
Gemeinsam mit Type 8:165G als größere Missaltype
Formen markant (z.B. J) und abweichend von den anderen Missaltypen der Brandis-Brüder
Als Auszeichnungstype der "Alanus-Drucke" mit Type 2*:98G
5:92G M44 1497-1497 Type des Breviarium Othonense (GW05419) firmiert von Matthäus und Lukas Brandis, vgl. Altmann: Brandis S. 59 u. Anm. 427
6:120G M70 Zu streichen!
Nach Altmann: Brandis S. 60 u. Anm. 432 u. 433 keine Type von Matthäus Brandis, sondern in Mohnkopfdrucker (Hans van Ghetelen) (Lübeck, Offizin 3*) benutzt. Dort erst benutzt, nachdem Brandis nicht mehr für die Mohnkopfdruckerei tätig war
Ist vielmehr Type 7:120G bei Mohnkopfdrucker (Hans van Ghetelen) (Lübeck, Offizin 3*)
7:292G M62 1486-1486 Nach Altmann: Brandis Anm. 422 identisch mit Type 2*:292G bei Mohnkopfdrucker (Hans van Ghetelen) (Lübeck, Offizin 3*)
8:165G M61 1486-1490 Gemeinsam mit Type 4:165G als kleinere Missaltype
9:103G M50D 1496-1497 Wie Type 1:103G bei Drucker des niederdeutschen Plenariums (H 6754) (Matthäus Brandis ?) (Lübeck, Offizin 4*), aber nur 103 mm Kegelhöhe (Haebler: Typenrepertorium Abt. V, Erg. 2, S. 37 Vs., Nr. 3: hs.)
10:150G M63 1488-1491 Altmann: Brandis S. 59 u. Anm. 424
ist gleich Type 3:150G bei Mohnkopfdrucker (Hans van Ghetelen) (Lübeck, Offizin 3*)
11:110G M21(?) 1490-1490 Ähnlich der kleinen Missaltype von Arndes in Schleswig (Type 2b:130G bei Steffen Arndes (Schleswig, Offizin 1))
12:89G M81 16. Jh. Pr 8 = Nielsen 2 (Abb. S. 175)
Altmann: Brandis S. 60 Anm. 434
13:71G M49 16. Jh.
siehe Altmann: Brandis S. 60 Anm. 434: ist gleich Type 10:71G bei Moritz Brandis (Magdeburg, Offizin 5) (GfT 925)
14:292G M61 16. Jh. Kanontype
Altmann: Brandis S. 60 Anm. 434:
Nielsen 7 Abb. S. 177

Rubrikzeichen

Rubr. Form Nutzungszeit Beschreibung
α normale Form 1480-1493 breit
zu Type 2:98G
β besondere Form
zu Type 5:92G
γ besondere Form , stark hängend
zu Type 6:120G
δ besondere Form 1496-1497 , hängend, Häkchen am Fuß
zu Type 9:103G (Plenarium)
ε normale Form 1488-1488 Sehne doppelt, außen gefiedert
zu Type 2:98G
ζ normale Form 1493-1493 rund, nicht dick, Spitzen ganz kurz

Initialen

Initiale Höhe Nutzungszeit Beschreibung
a 36mm 1485-1493 weiß auf schwarz gemusterte Buchstaben (D) mit eben solchen Ecken
Mitte aber schwarz auf weiß gemustert
b 16mm 1486-1486 gemusterte Buchstaben ohne Umrandung mit figürlichen Darstellungen (Tier- und Menschenköpfe) darin
c 22mm 1493-1497 halbvolle Lombarden
gemustert
mit und ohne Perlen
d 8mm 1493-1497 volle Lombarden, meist ohne Perlen
e 42mm 1493-1497 Schwarz auf weiß
Corpus floral gemustert
Initiale m nicht mehr zu verwenden!
f 22mm 1493-1497 weiß auf schwarz
z.T. Muster
g 16mm 1496-1497 volle Lombarden mit Perlen
h 33mm xylogr. Buchst. (I)
i 12mm 1493-1496 volle Lombarden mit Perlen
k 39mm 1497-1497 schwarz auf weiß
gemustert
l 4/5mm 1493-1497 volle Lombarden
m 42mm Zu streichen!
Siehe bei Initiale e
n 16mm 1485-1485 Konturlombarden
o 3/4mm 1490-1490 volle Lombarden
p 22mm 1497-1497 verzierte Lombarden mit Perlen
q 120mm 1490-1490 kalligr. (I)
r 63mm 1495-1495 Verzierter und gemusterter Kontur-Buchstabe (M) in weißem Viereck
Wie Initiale b bei Lukas Brandis (Lübeck, Offizin 1), dort aber kein M belegt
Stilistisch wie Initiale a bei Lukas Brandis (Lübeck, Offizin 1), aber kleiner
(?) Leisten

Alternative Namen

Drucker des Alanus

Personen, die mit dieser Offizin in Verbindung stehen

Brandis, Matthäus