Erhard Ratdolt (Augsburg, Offizin 18)

1487-1520

Beschreibung

Anfang 1486 kehrte Ratdolt aus Venedig nach Augsburg zurück; ein vom 1. April 1486 datiertes Schriftmusterblatt, mit dem er sich seiner Kundschaft empfahl, bezeugt die Gründung einer neuen Druckerei in seiner Heimatstadt, die in der Folgezeit hauptsächlich prachtvolle liturgische Bücher herstellte, insgesamt etwa 50 bis 60. Nach 1522 sind keine Druckerzeugnisse aus seiner Werkstätte mehr bekannt. [Wikipedia]
Ratdolt gilt als einer der bedeutendsten und innovativsten Drucker der Inkunabelzeit. Er schmückte seine Bücher als erster mit gedruckten Zierleisten in Holz- oder Metallschnitt mit Blatt-, Bordüren- und Rankenwerk, die schließlich den Satzspiegel vollständig einrahmten, und schuf damit den typischen Renaissance-Buchschmuck, von dem sich noch William Morris beeinflussen ließ. Er verwendete als erster ausschließlich gedruckte Initialen, die so genannten litterae florentes, die aus Blättern und Blumen gebildet waren und die bis dahin üblichen handgemalten Initialen ersetzten. Auch war er ein Pionier des mehrfarbigen Drucks; neben schwarzem und rotem Druck verwendet er in der Widmung der Euklid-Ausgabe an den venezianischen Dogen Giovanni Mocenigo erstmals Gold als Druckfarbe, ebenso in seinen späteren liturgischen Büchern, die sich zudem durch ihre Farbholzschnitte auszeichnen, die nicht mehr von Buchmalern koloriert waren, sondern bei denen verschiedene Farben mit mehreren Druckplatten neben- und übereinander gedruckt wurden, was ein hohes Maß an Präzision in der Herstellung erforderte. [Wikipedia]
Ratdolts Drucktypen sind eine schöne Renaissance-Antiqua, ähnlich der des Aldus Manutius, sowie eine markante Rotunda (rundgotische Schrift). Außerdem druckte er als einer der ersten in griechischer Schrift. [Wikipedia]

Typen

Type M/Qu Nutzungszeit Beschreibung
4:76G M49 1486-1500 Haebler: Typenrepertorium Abt. I, Tab., S. 198, Nr. 47: *) Auf S. 9 ist irrtümlich M48M48 gesetzt.
kahl
aber F normal
I verschnörkelt
5:155G M98 1486-1496 vgl. Type 5:155G bei Erhard Ratdolt (Venedig, Offizin 23)

6:75G    M48 1484-1499 A mit Punkt
F1 gefiedert
sonst kahl
7:92G M91 1486-1500 mit Punkt: A1, P1 (vgl. GW M24383)
mit doppelter Sehne nach rechts oben: D2, H2, N2, O2, P2, Q2, U1
C rund
sonst doppelt
h geschwänzt
Haebler: Typenrepertorium Abt. I, Tab., S. 268/269 Nr. 8: hs.: h geschwänzt
8:90R Q|u-D 1483-1491 wie Type 8:91R bei Erhard Ratdolt (Venedig, Offizin 23)
9:130G M18 1486-1500 Gruppe 1: O, P, Q rund mit Doppelstrich nach rechts oben
A1 (auch horizontal), D1, G2, H2, N1, O1, P1, Q1, U1 (eckig), mit vertikalem Doppelstrich: S1, T (rund), sonst einfach
gemischt mit Typen aus Gruppe 2: O2 und Q2 mit Doppelstrich nach rechts oben
Doppelstrich nach rechts oben: B1, G2, H2, N1, O2, P2, Q2, U1 (rund)
s. a. GfT 600, 603, 1501
10:65G M94 1486-1500 A2, oben rund, ohne Querriegel
//: D1, P2, V1 (eckig), H1 mit Schnörkel
O1 und Q1 gebrochen
N2 leer
h geschwänzt
Vgl. Type 10:65G bei Erhard Ratdolt (Venedig, Offizin 23)
Haebler: Typenrepertorium Abt. V, Erg. 2. S. 7, Nr. 18: mit Type 4:76G
11:230G M88 1486-1498 Kanontype
Doppelstrich nach rechts oben: A2, N2, P2, U1 (rund)
h geschwänzt
12:180G M88A 1486-1500 A2 mit Punkt
Doppelstrich nach rechts oben: D2 (gebrochen), N2, P2 (ohne Häkchen)
Doppelstrich senkr.: C2, O (gebrochen, drei Striche)
S2 in der Mitte gedreht
13:132G M94 1486-1498 Haebler: Typenrepertorium Abt. I, Tab., S.273, Nr. 3: NF, vgl. " (?)
hs.: dort nur Typ. 9
14:G   M88 1486-1499 Haebler: Typenrepertorium Abt. I, Tab., S. 262/263, Nr. 17: nur aus der Typenprobe bekannt
s. dagegen aber die Datierung
15:70G   M91 1486-1500 A1 mit Punkt
leer: D1, P2
Doppelstrich nach rechts oben: H2, N2
O rund mit gebrochener Sehne
Q1 oben offen
L1, T1
U leer
16:103R Qu|-H 1486-1500 M nicht ganz gerade
h
i mittel

spärlich verwendet
17:R Q|u (keine Klassifizierung) 1486-1486 Haebler: Typenrepertorium Abt. I, Tab., S.292/293, Nr. 2: nur als Typenprobe bekannt
s. GfT 1501
18:G   M98 1494-1494 leer. A2 (oben rund), D2 (unten gebrochen), N2 gefiedert
mit Punkt: H2, O2, U1
P2 gefiedert
I2 gefiedert
S2 mit Dorn
19:132G M94 1493-1493 ist gleich Type 13:132G
20:112G M92 1489-1499 A2 leer
D1 gebrochen, mit Häkchen innen
Doppelstrich nach rechts oben: G2, N2, O2, Q2
verschnörkelt: H1, I1
mit Punkt: P1, U1
doppelt
h geschwänzt
21:107G M88 1493-1500 Haebler: Typenrepertorium Abt. V, Erg. 2, S. 7, Nr. 18: hs: auf M88M88 geändert
Haebler: Typenrepertorium Abt. IV, Erg. 1, S. 112/113, Nr. 43(4): Eintrag wurde noch nicht korr.
Haebler: Typenrepertorium Abt. IV, Erg. 1, S. 112/113, Nr. 43(4): Formen vermutlich wie Type 13:110G bei Johann Sensenschmidt (Bamberg, Offizin 2): mit Punkt: A2, B2, P1, Doppelstrich nach rechts oben: D2 (gebrochen), G2, H2, N2, O2, Q2, U1

22:63G Diagramm (GW M37448 = H 13782 = ISTC ir00099000 und GW M37469 = H 13788 = ISTC ir00102000)
23:61G M48 1489-1490 U leer

Rubrikzeichen

Rubr. Form Nutzungszeit Beschreibung
α normale Form 1484-1499 der Vorderstrich steht weit ab
zu Type 4:76G, Type 7:92G
β normale Form 1491-1497 unten eingezogen
zu Type 15:70G
γ normale Form 1487-1500 groß und sehr dick
zu Type 9:130G

δ normale Form 1487-1499 dick, unten eingezogen
zu Type 20:112G
ε normale Form 1487-1493 dick, obere Spitze lang, untere eingezogen
Haebler: Typenrepertorium Abt. V, Erg. 2, S. 7, Nr. 18: hs.: zu Type 10:65G
ζ normale Form Haebler: Typenrepertorium Abt. V, Erg. 2, S. 7 Vs., Nr. 18: hs.: Kontur zu Type 10:65G (Brev. Prag.)

Initialen

Initiale Höhe Nutzungszeit Beschreibung
a 58mm 1493-1499 schwarz auf weiß
verzierte Kontur-Buchgstaben mit figürlichen Darstellungen und Umrandung
gemustert
b 48mm 1487-1499 schwarz auf weiß
verzierte Kontur-Buchstaben mit figürlichen Darstellungen und Umrandung
c 50mm 1486-1499 Zierinitialen mit Blattwerk
weiß auf schwarz
d 48mm 1488-1493 weiß auf schwarz
Blattwerk, weniger reich verziert, umschlungen
e 38mm 1489-1496 Zierinitialen mit Blattwerk
weiß auf schwarz
f 30mm 1487-1500 Zierinitialen mit Blattwerk
weiß auf schwarz
umschlungen
g 26mm 1487-1499 Zierinitialen mit Blattwerk
weiß auf schwarz
h 22mm 1488-1499 Zierinitialen mit Blattwerk
weiß auf schwarz
i 22mm 1484-1496 Zierinitialen mit Blattwerk
weiß auf schwarz
weniger reich verziert
dürftiger als h
k 19mm 1488-1499 Zierinitialen mit Blattwerk
weiß auf schwarz
l 12mm 1488-1495 Zierinitialen mit Blattwerk
weiß auf schwarz
m 26mm 1491-1500 volle Lombarden mit Perlen
n 21mm 1487-1498 volle Lombarden ohne Perlen
o 12/13mm 1487-1500 volle Lombarden mit und ohne Perlen
p 11/12mm 1491-1499 volle Lombarden mit Perlen
zierlich
q 13mm 1488-1493 groteske Lombarden mit Perlen
r 6/7mm 1487-1500 Lombard-Majuskeln
verziert
mit und ohne Perlen
s 7mm 1484-1499 Lombard-Majuskeln ohne Perlen
t 5/6mm 1487-1499 Lombard-Majuskeln ohne Perlen
u 3/4mm 1480-1500 Lombard-Majuskeln ohne Perlen
v 34mm 1488-1500 weiß auf schwarz
Blattwerk
hs.: GW M22132 = H 10931 = ISTC im00383650
w 18mm 1487-1499 Lombarden mit Perlen
hs.: volle Lombarden (13783) ? (H?)
x 113mm 1488-1496 xylographischer Buchstabe (F), kalligraphisch
y 26/30mm 1492-1498 xylographische Buchstaben
z 85mm 1491-1498 ca. 85x70
weiß auf schwarz
umschlungen
Haebler: Typenrepertorium Abt. V, Erg. 2, S. 7 Vs., Nr. 18: hs.: Kanon T, Buchstaben von ornament. Gerank umrankt, Randlinie doppelt, ca. 88x73 80x68
aa 65mm 1494-1498 weiß auf schwarz
umschlungen
Haebler: Typenrepertorium Abt. V, Erg. 2, S. 7 Vs., Nr. 18: hs.: Rand doppelt, (A), E
bb 30mm 1488-1500 weiß auf schwarz
umschlungen
hs.: (B), U
cc 24mm 1489-1496 volle Lombarden mit Perlen
Haebler: Typenrepertorium Abt. V, Erg. 2, S. 7 Vs., Nr. 18: hs.: wenig verziert
dd 8/9mm 1490-1495 Haebler: Typenrepertorium: 10 mm (wie GfT 1066: 10/11 mm?)
Haebler: Typenrepertorium Abt. V, Erg. 2, S. 7 Vs., Nr. 18: hs.:volle Lombarden ohne Perlen (Miss. fris. 1492: Kanon
ee 27mm 1488-1491 weiß auf schwarz
Gerank
Haebler: Typenrepertorium Abt. V, Erg. 2, S. 7 Vs., Nr. 18: hs.: Buchstaben (I) - doppelte Randlinie (GW 5344 = H 3842 = ISTC ib01162000)
ff 15mm 1488-1489 weiß auf schwarz
Blattwerk
hs.: GW 840 = VB 292 = ISTC ia00359000
gg 3mm 1488-1500 hs.: Lombarden
hs. Erg. (Kasten): GW 5425 = ISTC ib01175000, GW 8508 = ISTC id00279150, GW 8558 = ISTC id00287600
hh 45mm 1496-1496 kalligraphisch verschnörkelter Buchstabe (W)
in Einbl. 936-938 u.a. als Init. w verzeichnet

Drucker- u. Verlegermarken

DrM Höhe Nutzungszeit Beschreibung
I 138mm 1490-1499 Wappenschild mit Helmzierde und Helmdecken, darin ein Mann mit zwei Schlangen in der rechten Hand
rot und schwarz gedruckt
ab 1504/1505 mit Ausbruchspur am linken Horn
II 113mm 1494-1499 wie DrM I, aber nur 113 mm hoch
III 60mm 1494-1507 Schild wie DrM I und II, aber ohne Helmzier
rot und schwarz gedruckt

Titelholzschnitte

TH Höhe Nutzungszeit Beschreibung
A 138mm Lehrer und ein Schüler (?)
Nein: 2 Gelehrte: (Theologus und Astronomus)

Alternative Namen

Erhard Rattolt

Offizinen, die mit dieser Offizin in Verbindung stehen

Erhard Ratdolt (Venedig, Offizin 23)

Personen, die mit dieser Offizin in Verbindung stehen

Ratdolt, Erhard

Literatur

  • Möller, Maria [Hrsg.]: Die Drucker in Augsburg : Erhard Ratdolt, Johann Wiener, Jodokus Pflanzmann, Ludwig Hohenwang, Johann Blaubirer. Der Bilderschmuck der Frühdrucke, Bd. 23. Stuttgart : Hiersemann, 1981. ISBN: 3-7772-8103-4
  • Ratdolt, Erhard; Reichner, Herbert: Die autobiographischen Aufzeichnungen Erhard Ratdolts 1462-1523 [Nachw.: Herbert Reichner]. Wien: Reichner [1932]
  • Die liturgischen Druckwerke Erhard Ratdolts aus Augsburg 1485-1522 : Typen u. Bildproben / Mit Einl. u. Erl. hrsg. von Karl Schottenloher. Mainz : Gutenberg-Gesellschaft, 1922
  • Bellot, Josef: Die Augsburger Frühdrucker Günther Zeiner, Erhard Ratdolt : Führer durch d. Ausstellung im Schaezlerpalais 20. Jan.-4. März 1979. Augsburg : Kulturreferat d. Stadt Augsburg, 1979
  • McMurtrie, Douglas Crawford: Erhard Ratdolt, the father of typographic decoration; Privately printed, Chicago, 1936